“Häuser jetzt !” – eine Armensiedlung in Südafrika
kämpft für dauerhafte Überwindung von Armut
Im Oktober 2006 brannten in einer Nacht rund 400
Hütten in einem der ärmsten Townships Südafrikas
nieder – nicht zum ersten Mal rannten hunderte
um ihr Leben, in den Armen Babies oder die
wenige Habe, die sich in letzter Minute retten
liess. Viele, vor allem Kinder und alte Leute,
die nicht schnell genug wegkamen, erlitten
schwere Verbrennungen. Wie durch ein Wunder kam
in dieser Nacht niemand ums Leben. Die Feuerwehr
kam spät und achtete nur darauf, dass das Feuer
nicht übergriff auf Häuser ausserhalb des
Armutsgebiets.
Etwas jedoch war anders nach dieser Nacht: Eine
Gruppe der Bewohnerinnen und Bewohner dieses
Informal Settlements beschloss, dasss etwas
Grundlegendes geschehen muss. Sie waren nicht
bereit, auf der Asche erneut aus Abfällen nur
wieder neue Hütten zu errichten, weiter mit über
1200 Menschen 40 Toiletten und zwei Wasserhähne
zu teilen und auf das nächste Feuer zu warten.
Sie wollten eine dauerhafte Lösung finden, nicht
nur für einige, sondern für alle, auch die
Allerärmsten und Schwächsten. “Etwa ein Drittel
unserer Kinder sind hier immer krank,” sagte
eine Mutter damals zu mir”, allein aufgrund der
unhygienischen Lebensbedingungen.”
Nur einen Steinwurf entfernt von diesem
Armutsgebiet, dass bei uns den Namen “School
Site” trägt, steht das HOKISA Friedenshaus. Der
dortige Versammlungsraum wurde zum Treffpunkt
und Geburtsort der inzwischen sogar von der
südafrikanischen Regierung anerkannten
Wohnungsbau-Organisation “Amakhaya ngoku –
Haueser jetzt !” In den vergangenen Jahren haben
alle auf der School Site lebenden 352 Familien
Anträge auf staatliche Subvention gestellt (die
mehrfach abgelehnt und erst nach zahlreichen
Protesten, einschliesslich einer Blockade des
Ministeriums, zum Erfolg führte), haben
Fachleute gefunden, um mit ihnen genau Baupläne
zu entwerfen und immer wieder die Öffentlichkeit
um Unterstützung gebeten.
Das zentrale Ziel ist nicht nur, menschenwürdige
Wohnungen zu haben, sondern auf dem Weg dahin,
Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen,
Jobs für Arbeitslose und am Ende die Wohnungen
selbst als Kooperative zu verwalten, mit dem
Ziel nach vier Jahren Miete Eigentümer zu
werden, um dauerhaft der Armut zu entkommen. Der
Gesamtetat zum Bau von 352 zwei-Zimmer-Wohungen
in zwölf Hausern sowie einer Community Hall mit
Kindergarten, Spielplatz sowie Büros für die
zukünftige Wohnungskooperative beläuft sich auf
Euro 6,5 Millionen, von denen gut ein Drittel
staatliche Subvention sind sowie knapp zwei
Drittel durch private Spenden aufgebracht werden
müssen. Die Subvention ist endlich zugesagt, nur
bei den Spenden fehlt noch ein Betrag von Euro
600.000.
Nach dem Besuch einer GEW-Delegation in unserem
Township Masiphumelele sowie des Armutsgebiets
“School Site” im Oktober 2007 entstand der Plan
hier entscheidend mitzuhelfen – bei einem
Modellprojekt zur dauerhaften Überwindung von
Armut sowie der Sicherstellung von
Zukunftschancen für die junge Generation. Als
Partner hierbei konnte DESWOS (Deutsche
Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und
Siedlungswesen) gewonnen werden, die derzeit
einen Antrag beim Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gestellt
haben. Das BMZ wird nach ausgiebiger Prüfung
eine Förderung von Euro 500.000 zur Verfügung
stellen, wenn es uns gelingt, aus Deutschland
den Restbetrag an privaten Spenden aufzutreiben.
Oder um es anders zu sagen: Jede private Spende
für das Wohnungsbauprojekt von 1 Euro wird vom
BMZ um 5 weitere Euro erhöht.
Mehrere GEW Mitglieder haben in den vergangenen
Jahren unser HOKISA Kinderhaus (und seit 2005
auch das HOKISA Friedenshaus) im Township
Masiphumelele im Süden von Kapstadt besucht.
HOKISA (Homes for Kids in South Africa) ist ein
Zuhause für Kinder und Jugendliche, die ihre
Eltern durch AIDS verloren haben. Wir danken
allen GEW-Mitgliedern, die uns seit 2002 hierbei
unterstützt haben. Das HOKISA Team bittet dieses
Jahr ausschliesslich um Spenden für unsere
Nachbarn von Amakhaya ngoku. Unsere Kinder
spielen gemeinsam. Wir möchten mithelfen, dass
alle Kinder ohne Angst vor Bränden und mit der
Hoffnung auf Zukunft aufwachsen können. In
unserem Township, in Südafrika und überall auif
der Welt. Wir brauchen beispielhafte Projekte,
um uns gegenseitig Mut zu machen, dass Armut
überwunden werden kann und alle Menschen in
Würde leben können
Mit freundlichen Grüßen
Lutz van Dijk